Kolumne

Meine Kolumne

Tatjana Meissner - Kabarettistin und Autorin

Für Geschenke braucht man starke Nerven

Meine aktuelle Kolumne im Stadtmagazin Events

Gerade hat mir der Postmann eine Jeans gebracht, die ich noch vor wenigen Tagen, als ich sie online bestellte, dringend zu benötigen glaubte. Jetzt weiß ich, dass sich bereits etliche, viel schönere Jeans in allen Variationen in meinem Schrank befinden und ich eigentlich nicht weiß, wann ich die alle anziehen soll. Darum werde ich die Hose zurück schicken. Trotzdem quält mich das schlechte Gewissen und ich habe das Gefühl, sie eigentlich anziehen zu müssen. Zur Strafe. Wegen meiner Gier. So ähnlich ist das auch mit Weihnachtsgeschenken. Ich empfinde es als quälend, mich freuen zu müssen, obwohl mir das Geschenk nicht gefällt oder ich es gar nicht benötige. Meine Selbstvorwürfe wegen meiner Undankbarkeit und die Angst vor dem nächsten Geschenke-Anlass verfolgen mich in Alpträumen. Das ist ein alljährliches Erwachsenen-Weihnachtsproblem. Die Aussage „Ich weiß selber nicht, was ich brauche!“ oder „Ich habe doch schon alles!“ führt zu Socken-, Korkenzieher- und „Was-man-immer-braucht“- Gaben, die nach abgelaufenem Wohlwollen des Beschenkten in der hintersten Ecke des Kellers landen. Darum möchte ich hiermit bekannt geben: Ich wünsche mir wirklich nichts, außer gemeinsam verbrachte Zeit! Sollte ich doch Geschenke erhalten, werde ich sie meinen Kollegen und Freunden beim Wichteln anonym unterjubeln. Nur, damit ihr Bescheid wisst.
Share by: